Über Transmutationen und Transmutanisten?

Seit über dreissig Jahren wühle ich in den Elementen und versuche mir einen künstlerischen Reim auf die von mir mit meinen haptischen Möglichkeiten erfahrene Welt zu machen. Das ist und bleibt ein unendlicher und nicht abschliessbarer Prozess. So wie diese Seite eine Baustelle ist und bleiben wird, mag sie auch noch so fertig wirken, so ist es der Prozess an sich.

Transmutation bedeutet im Lateinischen Verwandlung, einen stetigen Prozess ohne Ende und Anfang. Der Kosmos, Mikro- wie Makrokosmos ist in endlos unendlicher Veränderung begriffen

Transmutationen meinen in der Alchemie des Mittelalters die Verwandlung in Gold, für viele ist das Geheimwissen der Alchemisten, die spirituelle Veredelung des Menschen auf seinem Weg, zuletzt noch einmal durch Dan Fosters Pseudoesoterikroman ILLUMINATI in den Fokus gerückt, gescheitert, zu Fall gebracht von dunklen Mächten. Es stimmt, dass die Macht der katholischen Kirche weltweit größer ist als es scheint – allein schon wirtschaftlich – und die katholische Kirche ist ein Machtträger. Auch davon kann ich ein Lied singen.

Das Groteske ist, dass es inzwischen tatsächlich chemisch möglich ist, Gold herzustellen. Das ist allerdings nicht effizient möglich. Der Aufwand wird immer höher sein als der Ertrag, wobei jedem klar sein dürfte, dass es sich bei den wirtschaftswissenschaftlichen Berechnungen um Verschleierungen der Zufälligkeit des Lebens handelt, die nur den Eindruck der Objektivität des Mathematischen erwecken, in Wirklichkeit rein machterhaltende Funktion haben.

In der modernen Chemie ist die Transmutation der Versuch der Kernenergiewirtschaft die Umwandlung der Spaltprodukte von Waffen und Energiegewinnung in ‘harmlosere’ Elemente zu erreichen. Ideologisch wäre dies der Stein der Weisen, denn dann wäre ja die Hauptsorge einer Menschheit, die sich mit der Existenz von Atomwaffen wohl abfinden muss, nach Fukushima – keine Berichte mehr, aber immer noch ist der Zustand dort wirklich nicht beruhigend – beseitigt, die Endlagerung des radioaktiven Mülls.

Beide Begrifflichkeiten klingen mit und Leben und Tod als Unendlichkeit, als unendlichen Prozess, wenn ich meine künstlerischen Prozesse aus Bildern, Tönen, Texten, Objekten, Natur, Theater, Film und Literatur Transmutationen auf meiner Stoffwechselbaustelle nenne. Transmutationen sind nie endgültig fertig, nie vollkommen abgeschlossen. Im Gegensatz zu anderen Künstlern versuche ich nicht den Eindruck zu erwecken, ein Werk sei fertig. Es wird allerhöchsten irgendwann präsentiert. So wie kein Element in der Natur alleine vorkommt, alles mit allem verknüpft ist, bin ich mit allen und allem vor mir mit und nach mir verknüpft. Dieses Bewußtsein läßt mich Transmutanist sein. Kein selbsternannter Werkgott, sondern ein Künstler wie Beuys, dessen Größe ich wohl nie, nicht erreichen kann, der um die spirituelle Seite der Dinge weiß, aber sich auch nicht scheut – auch wenn es unangenehm ist – der Fratze und Maske der Macht gegenüberzustehen. Auch wenn es demütigend und niederschmetternd sein kann im Kampf um ein ‚Werk‘ komplett zu scheitern. Kern dieses Scheiterns ist der unendliche Zweifel.

Wir sind alle (manchmal) Transmutanisten wenn wir uns der partiellen Dummheit der angeblichen Eliten nicht beugen und dem Kapitalismus nicht endgültig, auch wenn wir ihm nicht entkommen können. Es ist der alte Widerstand gegen die, die meinen sie hätten das Recht sich zu unterwerfen, was ihnen nur auf dem Papier gehört.

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