ein hack to the pieces Studiobühne 16-page0001

Der Rezensent besucht ein Theater, aber diesmal ist zwar nicht alles anders – etwas das die Theaterleute gerne schreiben und beschreiben – aber Einiges ist anders. Seine sicheren und eingefahrenen Gleise der Vorbereitung haben ihm die Partizipierenden des Abends verweigert.Es gibt kein Stück, es gibt kein Programmheft, es gibt eine geringe aber nicht geringwertige Erwartungshaltung, weil der Text auf der Internetseite der Studiobühne zwar neugierig macht, denn er reißt das ungeheure Material und Seelenspektrum der Gruppenarbeit an, aber er sagt in den Augen meiner Freundin wohl auch nicht genug, dass sie sich entschließen könnte, mich zu begleiten.

Projekt-Profil_Hack_to_the_pieces. 
Liebe Mitprogrammierer_Innen, es wurde eine Aufgabe an das Projekt gestellt. 
Anforderung_: Text der Neugierde weckt und entsprechende Informationen über die Produktion enthält. \\ 
Anmerkung_: Die Produktion ist in Produktion => Status_: werdende Mutter; Aussagen über ein ungeborenes Kind? \\
Ein Partizipierender schreibt: 
„Überall Wege, Plätze, Bahnen und Netzwerke denen ich folge. 
Überall Pläne: Fahrpläne, Finanzpläne, Lebenspläne.
Überall Träume, Wünsche, Begehren, Sehnsüchte, Zweifel.
Auf der Suche nach Sicherheit in der Zukunft tappe ich in kollektive Fallen. \\ Jeder von uns ist Kollektiv \\
Auf der Suche nach mir selbst verlier ich mich in Angeboten die für alle sind. 
Ich habe schon einige getroffen, viele noch nicht… \\
Es wäre gut, wenn wir uns kennen lernen…“ \\
So, oder anders: Kontakt: alexander.a.ernst@googlemail.com \\
=> Transparenz. \\
Ein Versuch: \\
Inhalt_: Mensch/Technik. Spez.: Web .\\
Form_: Performance. \\
Theorie_: Differenz, Zwischen. \\
Organisationsstruktur_:  dezentralisiert, partizipativ => Kontakt. \\
“Es wird eine Performance entstehen […],“ die die Prozesse von Dekonstruktion/Demontage, sowie Entwicklung/Errichtung immer neu durchläuft. \\
Stück geht ab. Lange Pause.

Ich erinnere mich an meine erste Theaterproduktion in Köln, übrigens handwerklich sehr unvollkommen, in der Presse zerfetzt, von Freunden unterstützt, aber in der Produktionsphase zerbrechen ganz viele Träume, eine große Liebe und mein Traum vom Kollektiv.
Es gibt einen Namen auf der Internetseite der Studiobühne. Alexander Ernst. Im gedruckten Premierenplan hat man die Produktion vergessen. Im Spielzeitjahresheft ist sie enthalten.
e.i.n.-hack to the pieces. heißt der Abend. Ausgangspunkt ist das sogenannte Hackermanifest. Ich google und finde nichts Wesentlich zu Alexander Ernst. Erst dann erinnere ich mich:
Beachtlich an diesem äußerst ungewöhnlichen Abend, der in meinen Augen eindringlich zeigt, dass es  die Utopie Kollektiv im Theater solange geben kann wie ein Kollektiv junger  Leute den ,alten Säcken‘ vormacht, dass es etwas Besonderes ist, wenn junge Leute sich auf eine Suche begeben und versuchen mit Hilfe des Equipments und des Personals der Studiobühne, die seit nahezu vierzig Jahren bemüht sind in Köln mehr als nur noch ein Kleinabbild des Stadttheaters zu sein, ein PROJEKT zur Uraufführung zu bringen. Letztendlich gehen nur Wenige heute im Theater riskante Wege. Die Menschen, die den Gewinner des letztjährige Regie- und Stück-Wettbewerb, Alexander Ernst, begleiten der das Bindeglied des Kollektivs mit

jasmin jerat, eric eggert, henrike dusella,
sergiu zorga, marie carlotta, judith de santis,
christian brosig, dimitry zakharov, ist

habe seine gewonnene Ausnahmeposition in der Gruppe als Kollektiv übernommen und sich im Sinne des Hackermanifests als Akteure und Aktivisten  des Abends zu einem Kollektiv verbunden,  sich selbst auch alle als Teil dieses Kollektivs verstanden.

Ich erinnere mich an meinen Traum vom kollektiven Theater und meine Auffassung von Theater, die beide in meiner ersten Produktion scheiterten bzw. zerbrachen. Eine Frau, die mich, wie ich heute denke, zutiefst verletzen wollte, nutzte meine theatrale Unerfahrenheit (Theater sehen heißt nicht Theater machen), vor allem auch meine Führungsunerfahrenheit aus, zerstörte zunächst das Kollektiv und setzte dann in der Gruppe per angeblicher Demokratie durch, dass meine Arbeit als Regisseur nicht im Programmheft vermerkt wurde, obwohl ich Motor und auch Initiator und auch künstlerisch das ganze in meinem Sinne zu formen versucht hatte. Reden wir mal gar nicht vom Geld. Nun gut, das war der Gegenentwurf. Das ist mir bei den fünf weiteren Regiearbeiten nicht mehr passiert, aber da bin ich auch kein Risiko mehr gegangen. Es war wie ich später in unzähligen Erzählungen vernahm, etwas, was auch alten Theaterhasen geschehen konnten, wenn sie ihr Personal nicht mit auf ihren Weg nehmen konnten. So manches PROJEKT ist schon ambitioniert gescheitert, weil junge Theaterleute so wie ich mehr versuchen und wollen als ihnen dann gelingt. Das ist dieser Gruppe nicht passiert.

Glaubwürdig ist mir angesichts des Abends, dass da eine Reihe von sehr verschiedenen Menschen sich zu einem Kollektiv verbunden haben, eine ungeheure Arbeit geleistet wie es nur Idealisten selbst im Theater vermögen, dabei aber nicht zu einer Publikumsfoltermaschine degenerieren,  der Prozess der Produktion glaubwürdig noch nicht abgeschlossen ist, das Gelingen des Abends von jedem Zuschauer abhängig ist, dass es an diesem Abend dessen genaue Länge und dessen minutiöser Ablauf trotzdem nicht gesichert erscheint sich alle im Idealfall erfahren und vielleicht sogar entwickeln.

Gehen Sie in die Studiobühne, besuchen sie eine der Vorstellungen vom 17.bis 19.10 oder vom 17. bis 21.12. jeweils um 20 Uhr. Sie werden je nach eigener Befindlichkeit erleben und erfahren, was sie so sicher nicht an jedem Theaterabend erfahren.

Nur der Rezensent fragt sich, ob er wirklich vollkommen offen für das gewesen ist, dessen Teil er war. Er fühlt sich stärker, als er seinen Stift und sein Notizbuch fortgelegt hat, nicht dem ersten Impuls des Abschlusses folgt,  und in seiner Rolle und trotzdem nicht in seiner selbstgewählten Rolle sich stärker einbringt als er es eigentlich beabsichtigt hatte.
Ihm spuken ein paar Assoziationen durch den Kopf, er findet Bilder in seinem Kopf, er lässt sich von Ungewöhnlichkeiten mitnehmen.
Danach ist er zwar mit sich zufriedener aber um so ratloses wie er das Gesehene und Erlebte trotz der vielleicht berechtigten Kritik eines Jurymitglieds in Worte fassen soll, denn sein Erleben kann ja nicht das Erleben eines anderen gewesen sein.

Das deutlich gemacht und bewirkt zu haben ist ein Verdienst dieses Kollektivs, dem zu wünschen ist, dass es seine Arbeit nicht nur bis Dezember fortsetzt und die unglaubliche Fähigkeit sich in diesen Zeiten auf einen solchen Gruppenprozess einzulassen und so zuhören zu können, so offen für Kritik und nicht dem Fehler verfangen zu sein, sich so auf Prozess und Innen zu konzentrieren, dass das Geschehen des Abends für den zahlenden Gast hermetisch abgeriegelt bleibt.

Skeptiker gabs sicher auch in der Studiobühne, aber die theatrale Neugier wohl auch unter anderem ihres Leiters haben wohl letztendlich gesiegt.  Vor Beginn des Abends wünschte er den Akteuren gutes Gelingen. es sah so aus, als wolle er das Haus verlassen, nachher war er wieder da und war angeregt ins Gespräch mit dem Jurymitglied vertieft. Böse Geister würden von einem theatertypischen Klatschgespräch sprechen, aber ich mag solche Unterstellungen nicht. Sie diskutierten sicher über Sinn und Unsinn des Abends im wahrsten Sinne des Wortes……

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