zu Alan Badiou, Wofür steht der Name Sarkozy?, Zürich-Berlin 2008.

Die Philosophie kann die Existenz des Medien- und Staatsapparatezirkus zu den Wahlen nicht ignorieren. Badiou macht sie, die Medien, für die Le-Pen-Psychose 2002 verantwortlich und sieht die Sarkozyhysterie 2007 als “fatale Bilanz dieser Verrücktheit.” (10)

Sarkozy sät reaktionäre Furcht vor allem, was anders und nicht besitzend ist. Badiou vergleicht den kleinen Flic, den Rattenmann, mit Genets BALKON-Polizeipräsidenten, dessen erträumtes Kostüm ein gigantischer Penis aus Gummi ist. Möglicherweise schwebten Badiou im Hinterkopf die Bunga-Bunga Enthüllungen über den Italiener und einen ehemaligen IWF-Präsidenten.

Ziel der Opposition – damals im Wahlkampf 2007 – ist kein klarer Gegenentwurf. “ihr Ziel ist bloß, die fragwürdigen Gewinne der Furcht vor der Furcht einzufahren…“ In den problematischen Politikfeldern wie den vom Staat geführten Kriegen und den niederträchtigen Gesetzen gegen die Minderheiten und Nichtbesitzenden gibt es einen fatalen Konsens. Das läßt sich inzwischen in fast allen sogenannten demokratischen Staaten beobachten.


Hinter der allgegenwärtigen, affektiven Negativität steht nur Affekt, keinerlei Überzeugung, auf keiner Seite. Wenn Politik das Ziel hat die vollkommen erstarrte Macht zu beseitigen, die die Beseitigung von echten und nicht nur affektierten Missständen verhindert, dann ist die Wahl vollkommen apolitisch. Die (beiden) Wahlalternativen sind in der Regel irreal oder existenzfern.

Die Wahl ist ein Nichts. Sie ist nur kanalisierte Furcht, die in der Wahl auf den Staat als Handlungsfreibrief übertragen wird. In Konsequenz bedeutet (s.a. Sylvain Lazarus) das, dass echte Politik nur ausserhalb der Staatsapparate stattfinden kann. Der sogenannte Marsch durch die Institutionen von 1968 war vielleicht die größte Illusion, denn im Grunde geht es nur mit Fundamentalopposition (s.a. Böll). Der Mai 1968 ist ein Trauma der Mitterechten nicht nur in Frankreich.

BADIOUS Aufruf würde lauten: Geht nicht zur Wahl. Trefft Illegale. Seid ungehorsam. Begeht Ordnungswidrigkeiten.

Denn die per Wahl erteilte Furchtbefugnis mündet im Staatsterrorismus, die einfache Bewahrung der existierenden Ordnung ist kriegerisch, denn diese Ordnung ist pathologisch – s.a. FROMM, der auf den pathologischen Charakter des institutionalisierten Eigentums im Gegensatz zum normalen Bedürfnis nach Privateigentum hinweist – “in diesem Krieg wird der Westen nicht siegen, er wird dieses Geschehen nur durch immer heftigere äußere Kriege und innere Terrorismen verzögern können.(17)


Entsprechend für diesen Krieg gilt, dass er außen geführt wird: (Kossovo, Serbien, Balkan, Afrika, Afghanistan, Irak, Guantanamo, Iran, Palästina etc.)
Dabei wird man vor Ort kaum eine Notwendigkeit der Kriege feststellen können, nur eine arrogante Fremdaufpfropfung, die vor Ort keiner will, denn dort wird die ‘Hilfe’ als terroristisch empfunden, was zur Folge hat, dass man sich mit Waffengewalt dagegen wehrt, ws natürlich im Regelfall eine Eskalation zur Folge hat.
Kriegsziel diffus und innen wird mit diesen Kriegen die Kriegsangst vehement geschürt, obwohl Europa eine Festung ist. Übrigens hat diese Entwicklung direkt nach dem Ende des kalten Krieges begonnen. Stichwort. erster Irakkrieg…erste Bush-adminstration. Eine der vielleicht bestialischsten Waffen ist der ja gar nicht so kriegerische Wirtschaftskrieg. In diesem Zusammenhang sei an die 500000 Kinder erinnert, die im Irak allein aufgrund des Wirtschaftsembargos der USA verhungert sind und die US-Außenministerin Allbright im Kabinett Clinton fand es den Preis wert. Heute heißt die Außenministerin Clinton.

Wir haben wieder Wahljahr in Frankreich und Badiou sieht die Franzosen als Petainisten, als Opportunisten des Bestehenden. Aber es gebe immer ein kleines gallisches Dorf, ein Häuflein Aufrechter, eine, die Resistance.

Hauptkennzeichen des Petainismus, der Mief des Faschismus:
Furcht, Denunziantentum und Verachtung der Anderen. Wenn das die subjektiven Scheußlichkeiten des Faschismus sind, dann könnte man sagen, dass ich in einer faschistischen Region lebe.

Einziges Mittel gegen diese Entwicklung: eine Allianz der Furchtlosen. Es gilt die Illusionen abzulegen und erst einmal zu negieren, dass irgendeine Wahl irgendeine Entscheidung bedeutet…Sie ist genauso ein Mummenschanz wie die Theorie des Kapitalismus, die Wirtschaftswissenschaften. Gegen diese Nebelmaschine der mit dem Staat identischen Politik, eine Aufhebung der Teilung von Legislative und Exekutive, ja eine Aufhebung der Gewaltenteilung überhaupt, setzt Badiou fünf ideologiefreie Punkte:

1. Real in der Welt sind alleine externer und interner Krieg (Das ist nicht Ergebnis der Verfehlung Einzelner, sondern gewollter Wille der Staatsapparate Irak/Afghanistan/Abu Graib)

Mir fällt ein BKA-Beamter ein, der in Afghanistan vermutlich gefoltert hatte – Vater eines Schülers – und eine Konfliktauffassung entwickelte, die ihn grundsätzlich in der Alphaposition sah. Er versuchte alles und jeden, auch die Lehrer seines Sohnes, für seine Interessen in einem Rosenkrieg zu instrumentalisieren, packte auch schon mal einen Kassierer in einem Kino – ich baller dir gleich eine du Wixer – am T-Shirt, wenn der nur zu widersprechen wagte. Jetzt gib jedem von diesen selbsternannten Alphatierchen noch eine Knarre in die Hand, dann haben wir amerikanische Verhältnisse. Und so gebärden sich die Staaten dort wie ihre Befehlsempfänger hier.

2. Es gibt nur eine Welt.


3.Letztlich ist die Wahl die Illusion einer Entscheidung, die aus einer essentiellen Deformierung gewonnen wird. Dazu gehört auch der Leistungsterrorismus gegen die eigene Jugend.

4. Orientierungspolitik für echte Politik sind die Illegalen. nur durch sie ist eine wirkliche Veränderung denkbar.

5. Indem wir die Maxime ‘es gibt nur eine Welt’ wirklich machen, verändern wir Politik und System.

Die Leugnung der Maxime beginnt schon bei der Haushaltshilfe, die ich für drei Euro die Stunde bei mir schuften lasse, gesehen bei der Mutter eines ehemaligen Schülers, die ihren Mann rausgeworfen hatte, weil sie ihn mit einem Pornoheft erwischt hatte, während der Sohn überall kolportierte, Mama hätte einen Riesendildo, von ihm, dem Schüler hatte ich auch erfahren, dass er mich beim Staatsapparat denunziert hatte, dass er seine Zeugnisse für Bewerbungen gefälscht hatte, dass er mit Geheimdienstmethoden hinter Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung herschnüffelte, dass er für Geld alles tat, dass er für 50 Euro unter Zeugen einem Geistigbehinderten im Nachbardorf einen runtergeholt hatte, seine eigene Kotze fraß, und noch etliche andere dieser Aktionen. Tja vielleicht ist jeder käuflich, es ist nur eine Frage des Preises, behauptete jedenfalls mein alter Nachbar, ein jüdischer Unternehmensberater…der Schüler, der Sohn einer Malermeisterin trug zu allem Überfluss auch noch meinen Namen.

Wem es wichtiger ist, sich mit einem Illegalen zu treffen – das habe ich schon lange vor den verstärkten Restriktionen gegen Asylsuchende getan, ich sollte es wieder tun – als wählen zu gehen, der läßt sich nicht mehr länger vom Staat verarschen bzw. den Mächtigen. Insofern komme ich zwar aus Deutschland ich sehe mich aber nicht als Deutschen.
In der Tageszeitung beklagt ein Kommentator, dass man die Deutschen als Nazis  beschimpft. Eigentlich nicht verwunderlich. Der Schoss ist immer noch fruchtbar. Man muss nicht Marx gelesen habe um eine Nähe von Kapitalismus und Faschismus zu spüren.

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