Wir verdanken dem Künstler Christoph Schlingensief viel, auch die Einsicht, dass Helge Schneider ein guter Mensch ist, was ja in bestimmten Ignorantenkreisen als Beschimpfung gilt, aber vor allem die Einsicht, dass der Künstler nicht mit dem Tod spielen sollte wie es die Theaterleute und anderen Künstler so gerne tun. (Tagebuch einer Krebserkrankung)

Wer mit dem Tod spielt, verhöhnt den Tod, das memento mori und hat sicher noch nicht vor dem Tod oder in dessen Angesicht gestanden. Ich denke an Heiner Müller. Die künstlerische Beschäftigung mit dem Tod ist das Hochrisiko der Kunst. Das Scheitern ist zwangsläufig, denn selbst das intelektuelle Spiel mit dem Tod, das Damian Hirst treibt,  die Kunst der Sterbebegleitung und die Totenräume Gregor Schneiders verstummen vor der Magie dessen, was nicht bekunstbar und beschreibbar ist.

Alleine zu leben ist eine Kunst, die kaum jemand beherrscht, die des Sterbens noch viel weniger und der Tod ist vielleicht als…………..nicht mit Kunst zu ‚erfassen‘. Alleine das memento mori ist ein subversiver Akt, denn der Medien- und Machbarkeitswahn als Antwort der Moderne auf die PEST hat Grenzen, um nur Fukushima und den Krieg zu nennen.

Als Kind habe ich mich nicht vor Monstern gegruselt – ich dürfte auch die herausragenden wilden Kerle von Sendak ja nicht lesen, mir fehlen die Leseerfahrungen anderer Künstler aus Vaters Giftschrank, kleinbürgerlich wie so Vieles in der Moral meiner Eltern – auch nicht vor der vermummten Gestalt des Todes, der plötzlich im Märchenzimmer oder in der Mitte des Fastelovends stand, aber ich hatte Respekt, alleine weil mir derTod ganz früh begegnete, und so werde ich ihn vielleicht sehen, wenn der Sensenmann, das Ahndungsgerippe, als Zeuge der Zeit meine Räume betritt, jetzt schon ab und an mit seinen Botschaften des Schmerzes scheppert, mit dem….., was es ist, Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Rainer Werner Fassbinders unvergessliche Stimme in Berlin Alexanderplatz.

Ich bin nicht so bescheiden wie Brecht auf seinem Grabstein. Der reale Stein wurde ja dann ganz anders. Er stand ja auch im Dienste der Ideologie. Die Stoffwechseltransformationsbaustelle ist ein Sinnbild des Todes und eine Erinnerung an meinen Weg. Also wenn man so will, ein unvollendeter Grabstein, so wie letztendlich alles, was Menschen tun.

Le petit prince NamKo baute auf seiner Stoffwechselbaustelle das Kraut der angeblichen Träume,  in realitas des vorgezogenen Todes an und starb in sich die Zukunft, weil die Mächtigen meinen, sie wären die Herren seiner Zeit.

Wenn überhaupt darf ich nur mir das Lied vom Tod spielen, wenn ich es beginne anderen zu spielen, gehe ich die Gefahr einfach nur als Klugscheisser zu scheinen, ich muss aber nichts, außer sterben, das sagte vor kurzen Zeiten eine Frau, die den unglaublichen Mut besass, die moderne Erkenntnis eines verschwundenen Gottes nicht nur zu teilen, das Leben trotz all der allein zielgeleiteten Interessen des Gesundheitswesens zu genießen, obwohl ihr Schmerzpreis hoch war, aber in Konsequenz zuende ging. Raucher sind nicht per se die besseren Menschen, aber sich vom Gesundheitsdiktat einer gleichgeschalteten Welt der Krankenkassen und Lobyistenverbände nicht davon abbringen zu können, das hat Größe, wobei……

Gott ist tot, deswegen ist der Mensch frei. Am meisten kotzen mich aber die Leute an, die meinen, sie hätten mit diesem konsequent zu lebenden Wissen, Gutmensch hin oder her, irgendetwas gewonnen. Es ist einfach sich im Netz hinzustellen und sich den TOD zu nennen, schwer wirklich für den Tod in dieser Welt zu kämpfen.

Advertisements