Ich bin gefragt worden, wer Ursula ist. Ursula war eine Freundin. Sie war eine meiner ersten Schülerinnen, als ich gezwungen war meinen Lebensunterhalt wieder mit Nachhilfe zu verdienen, in einer dieser angeblich so hochprofessionellen Nachhilfeinstitute, die Marketing mit Pädagogik verwechseln, in denen es nicht um Leistung geht, sondern um Verträge und Augenwischerei. Die angeblich so topausgebildeten Lehrkräfte sind oft frustrierte Muttis oder Menschen, die dringend auf eine neue Einnahmequelle angewiesen sind, wie ich es damals war. Die Wenigen, die bleiben – also sehr hohe Fluktuation – können eine annehmbare Routine entwickeln. Mir gelang sogar der Sprung in eine Schule als zeitlich begrenzter Lehrer. Sie werden mit oft verhaltensgeschädigten Schülern, die manchmal sogar eher einen Therapeuten benötigen als Nachhilfe oft regelrecht überschüttet, müssen zuweilen den Betrieb aufrecht erhalten bei der ständigen Fluktuation der angeblichen Führungskräfte. Das sind im Regelfall auch Muttis (1), die vor allem meist ohne Kompetenz die Aufgabe habe, die Lehrkräfte zu steuern, obwohl die ja angeblich völlig frei in ihrer Termin- und Unterrichtsgestaltung sind, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Sie sind also nicht nur Ausgebeutete – die Branchenführer übertreffen sich seit Jahren – sondern Verarschte, denn ihre Tätigkeit und die Weisungen, die man hinzunehmen hat, legen nahe, dass es sich bei denen, die nicht nur ein paar Stunden geben, um Scheinselbstständige handelt, man auf diese Weise trotz mehr als guter Erträge Millionen an Sozialabgaben spart, im Grunde nicht nur den Staat um Steuern prellt, sondern auch die Gesellschaft um entsprechende Sozialabgaben.Die Zeche zahlen die Lehrenden, ein Herr von Gutausgebildeten, die ins Prekariat gebunden weden….[Lehrer, denen es ja nicht schlecht geht, kassieren Provisionen für weitervermittelte Schüler übrigens gerne an der Steuer vorbei…..] Da das Schulsystem nicht taugt, hat man hier eine Art Rückversicherung für eine Art minderbemittelter Effizienz des Bildungssystems. Vielleicht nicht verwunderlich, wenn viele Gutbetuchte meinen, dass der Doktorgrad etwas sei, was man nicht erarbeite, erkämpfe im Schweiße seiner Füsse, sondern eine Ware sei, die man kaufen könne….

Dort habe ich sie, die Urenkelin eines Literaturnobelpreisträgers, kennengelernt, ich habe sie in einem Maße unterstützt wie kaum eine zweite Schülerin und in den Jahren ist daraus eine Freundschaft erwachsen. Nun steht sie am Ende des ersten Studiums der Musik, sie hat ein technisch beachtliches Diplomkonzert gegeben und ich muss sagen, dass es mich nicht wirklich tief beeindruckt hat, denn es war ohne Seele gespielt. Im Grunde kalt gespielt, hochartifiziell, in einem kalten Auditorium in einer kalten Polizeistadt, die nur dem Mammon huldigt. Da ist wohl jemand in der Kunstblase versunken und hat eine ungeheure technische Perfektion erreicht, aber seine Seele an den Kunstteufel verkauft, diesen Popanz, der einem Schaffenden alles zuführt, ihn aber mit all den sowieso schon aus Kindheit und Jugend übernommenen Verletzungen im Grunde allein läßt, weil nur noch Märkte zählen und keine  intelektuelle Begleitung der Macht.

Da haben wir wieder den alten Antagonismus von apollinischer und dionysischer Kunstauffassung. Ich erinnere an den TOD IN VENEDIG und ich erinnere an den Fremden von Camus, der Tod und Mord vollkommen gefühlsneutral gegenüber steht, der in einer Welt ohne Adjektive lebt. Ja es kann sein, dass er der Wahrheit näher ist als irgendwer in der Literatur, aber ich gehe lieber in einem dionysischen Rausch oder in einer dionysischen Lüge auf, beschäftige mich mit der Fäulnis meines eigenen Scheiterns, als fassungslos vor der Perfektion und Kälte des Apollinikers zu stehen. Hier finde ich weder zu Syssiphos, noch zur Entgrenzung. Der Kopf ist nichts ohne die Seele, die Seele nichts ohne Erfahrung.

Max Stirner sieht: Es waren die Alten, die den Jungen erzeugt haben, der sie hinaustrug. Ja schön wärs. Die Heiligkeit der Totenbestattung, aus der ein Kunstwerk wie die ANTIGONE des Sophokles entsprang wird als Erbärmlichkeit bezeichnet, die unverbrüchliche Wahrheit der Familienbande ist vollkommen verschwunden und [vor allem Verantwortung bedeuten diese Familienbande auch heute: hier irrt eine Kriegsgeneration, die erst ihren Kindern genommen hat, und dann sich weigert ihnen in der von dieser Generation entworfenen Not beizustehen und ihnen dann diese Not noch als selbstverantwortet vorhält, um auf dem erbeuteten Reichtum im kapitalistischen Verdrängungskampf zu sitzen bis der oder man selbst verfault ist, dazu die Dreistigkeit sich einfach von Frauen, Männern und Kindern zu nehmen, was man glaubt, sich nehmen zu dürfen, egal ob Vater, Chef oder Onkel, etwa Väter an ihren Schwiegertöchtern, um im scheinheiligen Eifersuchtskampf gegen eigene Kinder oder Klaus Kinski an seiner Tochter Pola – Nicht nur Gedankenterrorismus ist das, der maßvoll bestraft wird, denn es handelt sich ja um ein Eigentumdelikt und nicht einen Angriff auf Seele und Würde des Menschen] wird als eine Unwahrheit dargestellt, von der man sich nicht zeitig genug losmachen könne, und so in allem lebensuntauglich werde, sagen die Herrschenden, ohne dass nur die klitzekleinste Hoffnung auf Veränderung sichtbar wäre. Zynisch nennt man es das PREKARIAT und zermürbt die eigene Intelligenz in einem Kulturkampf – von wegen arm aber sexxy – der fast an die hysterische Arroganz von Maos Kulturkampf erinnert….

Ich bin gefühllos gegenüber der Welt, gehorche nur meinem skeptischen Verstand und betrachte den an Gefühlen Leidenden als Jammerlappen, aber weil ich nicht lieben kann, kann ich auch nichts von der Welt verstehen. Und somit bin ich nur kalt und damit wirkungslos…..Das ist URSULA, das wünsche ich ihr keineswegs und es ist auch nicht die Rache, des um Beteiligung Buhlenden, der weiß, dass er nicht mehr so viele Chancen bekomme wird im Leben. Aber es ist etwas tragisch Kaltes um diese junge Frau

Der Tod ist der Feind des Kapitalismus.Weil der Tod die Angst zu verlieren bedeutet vor der Angst, alles zu verlieren, was man hat, ist er so gefährlich für den Kapitalismus, dass der den Tod regelrecht bekämpft. Natürlich macht der Kapitalismus seine Geschäfte mit dem Tod vorher und nachher, demütigt den Menschen noch im Sterben, indem er ihn an letztendlich für den Fall des Sterbens vollkommen überflüssige Maschinen stöpselt, regelementiert ihn mit einem nur den Interessen der chemischen ud pharmazeutischen Industrie gehorchenden Betäubungsmittelgesetz.

Der Tod ist nicht konsumierbar, reglementierbar und beherschbar. Somit ist er seinem Wesen nach anarchistisch, ein Moment der Freiheit. Deshalb bekämpft der Kapitalismus ihn auch. Denn im Augenblick des Todes bin ich von all dem mich an meiner Freiheit hindernden Habenwollen des Kapitalismus befreit. auch von der geistigen Kleinlichkeit und der geistigen Engstirnigkeit des Besitzens, von der ich mich persönlich alles Andere als frei machen kann. Ich bin nur noch Ich.

Eine Gesellschaft, die ihre Künstler ins Abseits zwingt ist keinen Deut besser als eine Gesellschaft, die geistiges Eigentum auf Scheiterhaufen verbrennt. Ich hoffe mich paranoid in der Angst, dass das die Vorboten eines neuen Faschismus sind, der so intelligent handelt, dass man ihm seine Absichten nie nachweisen kann: Vermieter und Immobilienhaie ungehindert von den angeblich doch so sozialen Kräften bei Banken und Versicherungen…


Ansonsten bin ich unfrei, versuche ich mich dem Diktat des Konsums und der Märkte, der geldmengenabhängigen Veränderungsmacht zu entziehen, bleibt mir im Grunde nur das Opfer oder die Ideologiebrille. Oft opfert sich Einer oder wie im Fall der tschetschenischen Witwen, Eine oder mehrere Frauen, aber da es ein ideologisches Opfer ist, bedeutet es keinen Akt der Freiheit wie es vielleicht die freiwillige Selbsttötung sein könnte. Natürlich verteufelt der Kapitalismus den Freitod als geisteskrank, denn ansonsten könnte der ja bis zum inneren Zusammenbruch durch kapitalistische und bürokratische Machenschaften geschundene Mensch noch diesen Ausweg besitzen, wobei dieser Schritt wesentlich mehr Mut erfordert als jeder andere Schritt im Leben.

Ich sitze, nein liege und lese, ich lese Max Stirner DER EINZIGE UND DAS EIGENTUM, ein Text, der Marx und Engels letztendlich auch zur Ausarbeitung ihrer materialistischen Geschichtsauffassung gedrängt hat, da klingelt das Telefon, während ich mir überlege wie ich Stirners Gedanken in Übereinstimmung mit meiner Todesphilosophie und der Tatsache in Übereinstimmung bringen kann, dass die Überwindung des Konsumismus und die Überwindung des Materialismus die Zukunftsauseinandersetzung sein wird, zumindest in Europa.

(1) Um mich klar auszudrücken. Mütter leisten immer noch unbeachtet von der Gesellschaft Großartiges für die Zukunft einer Gesellschaft. Ich meine aber diese Sorte frustrierter Ehefrauen, die keinen Job gelernt haben, gar nichts gelernt haben, dann irgendwo eine Aufgabe bekommen, nicht wissen wie der Arbeitsprozess läuft, alles an sich reißen und im Grunde keine Kompetenz für diese Aufgabe mitbringen und dann in einem schwierigen Umfeld beginnen, unter dem Diktat des Brötchengebers nur die eigenen Dollars zu sehen. Allen die Nachhilfe suchen – die in sich ja schon eine Perversion ist – sei gesagt: es gibt jenseits der Nachhilfeinstitue Millionen guter Indivduallehrer, auch kleine Institute, in denen sie nicht die Werbung der Großen finanzieren. Dort bei den Großen werden sie keinesfall professionell begleitet, sondern nur abgezockt…..was nicht bedeutet, dass dort der eine oder andere Lehrer nicht ‚taugt‘.

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