Kennen sie das? Ihr Körper erteilt ihnen per Müdigkeit oder Darminhalt ein eindeutiges Zeichen, sie machen aber trotzdem weiter. Sie bekommen erhebliche weitere Beschwerden, obwohl sie in einem Alter sind, in dem sie die Zeichen ihres Körper nicht weiter ignorieren können, sie machen aber trotzdem weiter, bis sie eines Tages erleben, dass ihnen schwarz vor Augen wird und trotzdem machen sie weiter bis sie endgültig zusammenbrechen und im Krankenhaus aufwachen und selbst dann wollen sie noch weitermachen.

 

Heute morgen hat mich mein Freund Francois angerufen. Dem ist es so ergangen, dass er nicht wissen will, was Niederlagen und wozu sie gut sind. Francois ist wie der Name schon sagt französischer Abstammung, Er leitet die Filiale einer großen französischen Bank in Deutschland und ist ein Mensch vom Typ Sarkozy, der die letzte Wahl ja zum Glück verloren hat. Der Philosoph Badiou nennt Sarkozy ja bekanntlich den Rattenmann. Francois ist auch eine Ratte. Oh er führt ein großes Haus. in den Ferien im Heimatland seiner Frau und ansonsten dort wo ihn das Leben hin verschlagen hat. Er hat jeden Abend Gäste, weil er es fürchtet zur Ruhe zu kommen und einmal über sich nachdenken zu müssen. Er ist vor allem sehr laut und gehört zu den Menschen, über die man ARSCHLOCH sagt, wenn sie gehen. Seine Frau sagt über ihn, dass er nie lange allein bleibt, wenn er nicht zuhause ist. Was immer das bedeutet, vielleicht auch eine Erkenntnis von über zwanzig Jahren Ehe. Jedem zwingt er seine Sicht der Dinge auf, mit Vorliebe seinem Sohn, den er auch zu einem Rattenmann erzieht, indem er Ängste schürt, Freiheiten begrenzt und systemkonforme Automatismen verstärkt.

Diese Nacht habe ich geträumt, dass er mir geholfen hat. Intendant zu werden, Intendant vom größten deutschen Puppentheater, Chef von über fünfundzwanzig Menschen, und alle hätten sie mir geholfen, die Puppenspieler und die sonstigen Angestellten…was es ja eigentlich im Theater nicht gibt, denn irgendeinem gefällt dein Gesicht gerade jeweils  nicht oder immer oder immer öfter und du wirst es als Leiter erleben, dass es erstens Glück ist ob und wie du im Haifischbecken der Künstler dastehst und in deinem eigenen Haus sowieso und zweitens stehen nie alle hinter dir, selbst bei den ersten Premieren nicht.

Das gilt für Feinde wie Freunde, wobei der Feind von gestern dein Freund ist und der Freund von heute übermorgen dein Feind. Beziehungen sind so relativ und temporär wie Spielpläne und manchmal auch so uneindeutig wie Erfolg und Misserfolg, Qualität und Quantität. Nichts im Theater aber ist schlimmer als der Erfolg. Im Misserfolg steht man zusammen, im Erfolg zerfleischt man sich, denn jeder reklamiert den Erfolgt ja für sich, selbst die Beleuchter und die Requisiteure.

Der Sohn des Mannes der Tochter eines entfernten Onkels des Cousins zweiten Grades vom Enkelsohn des Schwippschwagers des Bruders der besten Freundin der Schwester meiner verstorbenen zweiten Ehefrau aus erster Ehe hat gesagt, dass der Weg im Ziel angelegt und das Ziel im Weg sei, wobei ich ja sagen würde, dass man ja eigentlich davon ausgehen muss, dass der Weg verwachsen ist und man das Ziel vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann, weil es jemand mit populärpsychologischen und populärphilosophischen Analysen und Ideen verschüttet hat.

Noch ein wenig Theorie dazu, dann eine Prise Avantgarde und viel Geschwafel als Garnitur, dann kann man losen, ob man in der Politik oder im Theater ist. Manchmal kann man kaum unterscheiden, was was ist, sagen die Nichttheaterleute. Die Theaterleute, die kritischen wissen dass alles Politik ist, nicht unbedingt politische Veränderung. Es kommt nur darauf an, ob man behelligt wird von der lokalen Politik oder der lokalen Kulturpolitik, ob man es versteht Konflikte auszuschließen oder schon im Vorfeld auszuräumen, den Arschgesichtern genau dann in ihr Poloch zu blasen, wenn es notwendig ist.

Mein Freund Francois und der Verwandte meiner Frau und mein verstorbener Onkel Adam sind einhellig der Meinung, dass der Pragmatismus die Lösung vorgibt jenseits von Empfindlichkeiten, dass nicht wichtig ist, wofür man ist, sondern entscheidend wogegen.

Mag sein, aber ich pisse also bin ich und in meinem Darminhalt kann ich die Befindlichkeit der Zukunft lesen. C’est la vie Sellerie oder c’est la vie Ironie oder noch anders C’est la vie, fick das knie (jenseits der Reimzwänge: Fick dich ins Knie).

Was ich meine? Ja hab ich doch gesagt. es ist alles egal, mir nicht, denn sonst schriebe ich nicht, aber den Anderen oder wie oder was oder einfach weiter.

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