An meinem ersten Abend

als ich mir meine Welt gebärträumt hatte,

da bekam ich Schmerzen.

Erst schmerzten die Nierenpartien,

an denen mein Großvater,

der Vater meiner Mutter,

an einem 4. Juli verstorben war.

Ich war an einem 4. Juli,

rund dreissig Jahre später

geboren worden.

Dann schmerzte(n) das rechte Knie,

in meinem Traum

von der neuen Zweisamkeit in meiner Wüste –

ja ich weiss

dass es schmerzt heissen müsste,

aber selbst der Plural gibt

die Lawine der Eindrücke nur mangelhaft wieder

–  wobei man kaum

zur Philosophie des Schmerzes wechseln muss,

um sich keinen Begriff

mehr davon machen zu können,

was der Wahnsnn der Welt ist.

Man verfällt seinem Schmerz,

der einen umgarnt und von einem Besitz ergreift

wie es die Geliebte kaum tun kann,

vielleicht erst,

wenn man sich in den Rausch gleiten läßt,

den Rausch der Schmerzen.

Man lese zum Beispiel GENET.
Es gibt, offenbar auch einen Rausch

Schmerzen zuzufügen und zu töten,

denn einem nicht durchschaubaren Bericht,

dass die Anklagebehörde gegen Bundeswehrsoldaten

irgendwo zentralisiert werden soll,

entnehme ich die Information,

dass immer mehr Soldaten und Soldatinnen

inzwischen

bei Auslandseinsätzen

keinerlei demokratische Würde mehr erkennen lassen,

sondern sich gebärden

wie Wilde,

die den vorgeblich Wenigerweitentwickelten,

die schlichtweg einfach nur nicht

so große Reichtümer

wie WESTLER besitzen,

als Killer entgegentreten.

Natürlich werden
solche Menschen strafverfolgt,

die Einen haben die Aufgabe
sozu tun, als wäre das nicht gewollt
– es gibt ja auch immer irgendwo einen,
der das dann so nicht gewollt hat –
aber es ist wohl eben nicht nur
eine Frage der Sprachregelung,
denn vorher haben ja Andere auch gewollt,
dass gefoltert und gedemütigt wird.
Abu Greib und Guantanamo oder 9/11 wären Beispiele.

Konsequenterweise müsste ich ja vermuten,

dass irgendwer irgendwo möchte,
dass ich Schmerzen habe.
Dummerweise glaube ich nicht an Esoterik und Weltverschwörung.

Die einzige Verschwörung, an die ich glaube,
das ist der zynische Egoismus der Herrschenden
und die widerliche Menschenverachtung des Kapitalismus
und seiner Handlanger,
die den Paradigmenwechsel von der Ethik der Aufklärung
zum hyperrealen Diktat des Verbrechens als Rechts- ud Staatsform

mit Hilfe des Wirtschaftswissenschaftsmummenschanzes
und der statistischen Volksverblödung
fast unbemerkt mit großem pseudohumanistischem Blabla durchgesetzt haben.
Insofern sind meine Schmerzen leider Zufall.
Ich würde ja viel lieber glauben,
dass meine Kommunikation überwacht wird,
dass mir jemand einen mikroskopisch kleinen Chip injiziert hat,
der mittels Funkverbindung
erst die Schmerzen da,
dann die Schmerzen dort auslöst.

Deswegen und gleichzeitig genießt man
den Wechsel in die Weltabgeschiedenheit,
dann fühlt man sich schuldig,
weil man doch im Weltabwenden
seinen eigenen subjektiv großen,
im Angesichts all der Menschen,
die gerade im Augenblick
von Menschen gedemütigt und gefoltert werden
– wer getötet wurde, hat es ja gut, denn er ist tot,

endgültig, vorbei, er muss nicht mehr leiden –

im Angesicht all dieser Menschen

vielleicht relativen, relativierten Schmerz

doch nicht genießen darf,

wobei dieser Genuß einen an der Lebensteilnahme hindert,

deren Genuß zuweilen zumindest ja sehr zweifelhaft ist.
Aber man muss sich auch nicht der Hölle der Anderen aussetzen.
Man hat also nur die eine Hölle, die der Anderen,

zum Beispiel von Cousinen,
die konstruktive Vorschläge zur Problembeseitigung einfach ignorieren, diese Hölle, hat man gegen die Hölle der weltabgewandten Schmerzisolation getauscht.

Das rechte Knie hat geschmerzt,

träumt der Mann hinter den Träumen von morgen,

es hat geschmerzt,

nachdem ich mich der Schlange hingegeben habe,

jetzt schmerzt wie ich morgen schon weiß,

die rechte Seite des linken Knies,

übermorgen die linke und in drei Tagen das Mittelohr

oder die Zähne oder der vollkommen verspannte Nacken,

dann so stark,

dass ich träne obwohl ich nie heule.

Alles per Fernsuggestion ausgelöste Absicht,

oder Bestrahlungsergebnis

oder Terrorismusvorbeugung,

mentaler Schutz vor freier Meinung,

obwohl es ein Mann ist, der träumt,

der noch nicht einmal sicher weiß,

ob er ein ich ist,

geschweige denn, dass ich es bin,

der er da ist.

Nehme ich Schmerzmittel,

funktioniere ich wieder,

obwohl ich das humankapitalistische Verfallsdatum

als Arbeitnehmer

ja längst überschritten habe,

mich innerlich dem Hartz IV

und personalrechtlich gesteuerten Individuaterror der Personalmanager zumindest theoretisch verweigere.

ABER ICH WILL NICHT (MEHR) FUNKTIONIEREN.
ICH WEIß NUR WIRKLICH NICHT,
OB ICH SCHON STERBEN WILL.

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