Immer wenn ich aufwache, ist es dunkel. In mir und um mich herum. Ich kann schlafen gehen, wann ich möchte, Und wenn ich schlafen gehe, wann ich will, so schlafe ich letztendlich immer am Tag und arbeite in der Nacht. Da ich weder Gesellschafter noch Callboy bin, bezahle ich mit Einsamkeit, Armut beziehungsweise vorhersehbarer Armut. Nun gut, wir alle, die wir aus der Generation 50 und darunter stammen, uns von denen, die die Informationsmacht und die Gestaltungsmacht besitzen, verarschen lassen, werden irgendwann in Jahren nicht nur sterben, sondern im Verhältnis zu heute verarmen, vielleicht werden wir sogar aus Armut sterben. Ich denke man wird insofern Lösungen finden, als niemand zu verhungern braucht, aber Euthanasie wird erlaubt sein. Nur ist das kein Vorteil, sondern Ergebnis des Drucks, der auf die ausgeübt wird, die nicht besitzen und herrschen. Aber feste Arbeitsverhältnisse, außer für die, die die Schlüsselstellen der Macht besitzen, wird es nicht mehr geben. Arbeit wird dann jeden Moment des Lebens derjenigen besetzen, die es in einem unfairen Wettlauf nicht schaffen, das Ziel zu erreichen.

Irgendwo habe ich einst eine Geschichte gelesen von einem Wettrennen entlang einer Geschichte von Hinterhalten. Teilnehmen “dürften” die vollkommen Verlorenen und die, die wegen Bagatelldelikten im Eigentumsbereich zum Tode verurteilt waren. Wer den Hinterhalten entkam, musste sich ständig an der Spitze de Läuferfeldes vorne aufhalten, denn jede Viertelstunde wurden die letzten beiden erschossen und der Drittletzte in die öffentliche Folter entführt, dagegen war Guantanamo ein Vergnügungspark. Die Folteropfer hatten eine Chance, wenn sie Wettpaten aus dem Bildschirmpublikum gewannen und die Folter überlebten bis das Rennen beendet war. Einer hätte es in den zehn Jahren des Laufes beinahe einmal geschafft. Er hatte schon einmal ein Folterlager außerhalb der europäisch-transatlantischen Festungen überlebt. Nur der Sieger gewann sein Leben und eine Art von Zukunft. Wo wusste niemand. Böse Stimmen munkelten, dass der Sieger sowieso feststand, dass er gar keiner der ‘Delinquenten’ war, sondern einem Klonlabor entstammte und nur sein Aussenfassade jedes Jahr „gestylt“ wurde. Also ein billiges Brotspektakel für die Mächtigen, mit denen überflüssige Esser, nicht nutzbares Humankapital, Wissensressourcen beseitigt wurden wie IN TIME.

Ich denke, eines der riesigen Probleme der kapitalistischen Welt ist die Tatsache, dass sie sich nicht um die Gefühlswelt der Menschen kümmert, dass sie alles rationalisiert und glaubt die in ihren Augen beängstigende Emotionalität überwinden zu können. Denn nur die Gefühle besitzen ein gewaltiges Auflehnungsgefühl gegen die Zeit und damit auch gegen das Kapital. Die Herrschenden haben gegen die Menschen, die sich nicht gegen ihre eigene Emotionalität gleichschalten, demütigen und im Zweifelsfall wegschalten lassen, die Reihen geschlossen, weil ja nur zählt, wer hat und demonstriert, dass er hat.

Die Kulturtempel gehören dazu, das Heer der verzweifelten Hofnarren, verarmt, verbittert, verkannt, rennt hinter diesen Kulturtempeln her, die der Staat längst korrumpiert hat, indem er eine Speerspitze von Elite – gutbezahlt – in die Medienöffentlichkeit katapultiert, so dass der Rest sich einbinden lässt in den Wettlauf hinter diesen Buttertöpfchen her.

Denn sonst bliebe ihnen ja nur das trockene Brot, das denen einst blühte, die sich nicht der Herrschaft unterwarfen. Mäzene ermöglichten Kunst, indem sie speisten und lobten. Insofern ist die staatliche Kulturförderung eine Riesenlüge, denn sie gibt keine Chancen, sondern sie nimmt sie. Herrschaft durch Hunger und mangelnde Chancen, weniger, viel weniger als früher und das MILLIONENSPIEL nimmt seinen Lauf.

Wenn die Existenz von Strassenfegern ein Indiz für politisches Protestpotential ist, dann müssten ja Serienkomplexe wie die KOMMISARIN LUND, der EUROVISION SONGCONTEST oder die Liveübertragung von TOD wie 11/9 Hoffnung machen, dass die Unzufriedenheit und die Bereitschaft zur Revolte trotz aller Perfidie der Mächtigen wächst.

Für mich ist wichtig, dass ich mich des klammheimlichen Eindrucks nicht erwehren kann, dass ich bei den Ratten und Schmeissfliegen gelandet bin. Nur macht das keine Freude mehr.

Alan Badiou hat mit seinem Rattenmannlogos für Sarkozy uns Immernochnichtvollständigkorrumpierten keinen Gefallen getan. Nur eine Ratten- und Schmeissfliegenbewegung kann der Scheisshaufen Herr werden.

Aber sicher ist, dass es keine Demokratie gibt, dass es sich um ein zugegeben sehr geschicktes Deckmäntelchen für den von den Leinen losgelassenen Kapitalismus handelt. Wir bekommen ab und an eine Scheibe Fleischwurst wie als Kinder beim Metzger in die Finger gesteckt. Alle angeblichen Korrekturbemühungen vor allem weltweiter Missstände sind eine verdammte Lüge. Und die Statistik, die das einzelne Individuum nicht würdigt und der Mummenschanz der Wirtschaftswissenschaften – ein Gedicht ist wissenschaftlicher als ein einziger wirtschaftswissenschaftlicher Grundsatz – sind zum Teil hochintelligente Nebelkerzen der Macht. Mephisto sänge genauso wie Francis Bacon in den Himmelstalkshows, die bald aus der Anderswelt übertragen werden dürften, das Hohelied der liebenden Saumseligkeit, während mein Nachbar gerade unbemerkt von mir röchelnd verreckt.

Der TOD meinte ein Professor von mir, der TOD ist das, was die Menschen vor allem beim LIVE an die Bildschirme fesselt. Da man überall und ständig Zugriff auf Medienbildschirme hat, müssten dann alle permanent auf den virtuellen eben nicht eigenen und nicht wirklich gestorbenen Tod lauern, ständig stundenlange Übertragungen von Tennisspielen und Fussballspielen folgen, um da ein wenig TOD mitzubekommen, der sie ja stets und immer daran fesselt. Dann würden ja Kinder, die bekanntlich noch kein Bewußtsein von TOD haben, Fernsehen mit welcher Intention schauen? um ein Bewußtsein vom Tod zu bekommen. Wir haben jedenfalls den Leidenschaften des Professors für stundenlange Tennisspiele und Bildschirm generell und in einem anderen Seminar für stundenlange Pornofilme folgen müssen. Aber danach wussten wir mehr vom TOD.

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