Wüstenfuge

Ein Mann kehrt zurück in die Wüste. Er mag keine Waffen. Er mag Flugzeuge, aber der Mann, den einst die Hoffnung trug, er könne  mit seinen Zeichnungen, Zeichnungen überhaupt, Menschen erreichen, der Mann muss mit dem Flugzeug Waffen in die Wüste tragen.



Das Bild, das die Grundlage für den Text bietet, ist das dritte Bild von links in der Ausstellungstheaterperformance DER KLEINE PRINZ/Hürth und Pulheim 2002


Er weiß nicht mehr in welcher Wüste er gerade sitzt, ob er in der Glaubenswüste bei SODOM sitzt oder in der Betonwüste der Städte, wo sich nach wie vor abspielt, was kulturelle Identität einer Generation ist, oder in der Naturwüste der Landschaft, in der es ihn mehr oder minder wüst verschlagen hat, am ersten Tag der Schöpfung war es laut der Genesis wüst und leer, so wie in ihm, wenn ihn die Wüste des leeren Papiers oder der leeren Leinwand angähnt, es konnte die Wüste seiner verschlungenen Wegbaustellen sein, seiner Lebens-, seiner Liebes- und seiner kreativen Engelmitbaustellen, wobei sich das zunächst nicht gedeutete Wort als Ergebnisbaustelle entpuppt.

Der Mann kommt nicht aus der Sonne. Er träumt von der Sonne, er träumt von einem sonnigen Leben, aber er denkt (sich) sein Leben eher als Wüstennacht, denn als Wüstentag.


Als er so in der Wüstennacht sitzt. Er ist aus seinen nie aufgegebenen Ikarusplänen gestürzt, wo die Kälte, der um ihn herum gedachten Denkwüste, nüchtern, sachlich und emotionslos, ihn beinahe erdrosselt, während andere sich Andere aus Einzelhaft und Isolationsfolter in die sonnigen Gedanken ihrer Phantasie retten, da bleibt ihm nur die einsame Idylle seiner Sonnenuntergänge, aber als Antwort da träumt sich der Mann  auf ein Schienennetz durch den Weltraum. Jetzt ist er sein Kind, ein kleiner Prinz, ein König in seinem Reich, wenn er es denn nötig hätte, ein König zu sein.

So denkt sich der Mann, der jetzt le petit prince ist, eine Vulkanwüste mit drei kleinen Vulkanen, manchmal findet er sie nicht unter den Schienensträngen seiner Notwendigkeiten, Hoffnungen und Niederlagen. Nebengleise verdecken die wahre Richtung. Dauernd begegnen sie ihm in seinen Träumen jenseits seines geträumten Planeten, – hat er sich in die Traumwüste seiner Seele hineingeträumt – Erinnerungen, die er nicht glauben will, nicht glauben kann, die er wie Stecknadelgegenstände auf den Schuttbergen von Bilden, Worten und Tönen sowie Klängen heraussuchen muss, angetrieben von Stimmen in seinem Kopf, die ihn glauben machen wollen, er wäre wo und dächte nicht so. Er baut sich  ein Skulpturengärtlein zwischen seinen Vulkanen, es ist ein schlechter Trost gegen die dunklen GEDANKEN über der wenigstens tröstlichen WÜSTE seines Schlafes, denn im Rot und Komplementärgrün seiner gedanklichen Sonnenuntergänge setzt er sich tagtraumschlafend und nachtwach stets neu in Bewegung, aber weder erquickt vom Schlaf, noch erquickt von der Sonne, die in anmutigen Gegenden nach Lots Frau schreit, denkt der Schlafträumende, wir hängen alle an den zehn Gerechten, für die wir uns halten, während die Friedenstreiber, rot-grün-united, wie der Kondensabfall auf den Flugzeugdüsen das Terrain zwischen den Traumsträngen in der Hoffnungs- und Kunstwüste gliedern, Tag für Tag die Stoppeln des aufkeimenden Glücks herauszureißen wie individuellwuchernde Brauenhaare….


Einen durch und durch kryptischen Text durch ein paar Erkennungsmomente an der Erde festbinden und nicht verstehbar aber so aufzureißen, dass sich Assoziationsräume bilden.

…als Zeichen dessen, dass Eitelkeit vor allem immer auch mainstream ist.

Irgendwo dazwischen, zwischen all dem Herausgerissenen, in den Labyrinthen fremdklingender Bilder- und Textwelten, wandert ein einsamer Gedanke im Kreuz der Elemente.

Ein Mann hat gegen die Einsamkeit geträumt und eines Tages, da glaubt er, es begegnet ihm einer seiner Sonnenuntergänge persönlich, er ist gewest traumvoll und schön, aber im Licht der Sonnenuntergänge sind die Schatten besonders lang und so muss der Mann lernen, dass Glück ohne Schmerzen nicht möglich ist. Er träumt also neben der Wüste auch den Schmerz, aber der Schmerz ist im Kern zwar ein Nichts wie die Wüste aber niemals leer, selbst wenn er nicht einmal erkennbar ist, was er zwischen den Gleisen seiner Träume mit traumwandlerischer Sicherheit in die Zwischenräume nach den Schatten hinter der Stadt hinter den Träumen sucht, findet, möchte, meint oder wähnt.

Er malt sich im Flugzeug aufs Papier, ein fliegendes Andreaskreuz mit wenigen Strichen, eine Gedankenskizze, eine erträumte Kohlenlinie, die er als Kostenlinie im Wirrwarr der Zeit sieht, seiner Zeit, von der die Menschheit nicht nur in Gedanken fürchten muss, dass das Wirrwarr niemals mehr Ordnung werden wird, denn Ordnung das hieße Anfang und Alpha und A. wie Andreas und würde das Andere nicht in der Wüste der Fremdheit versinken, es hätte Schluss und Omega und Ziel. Anfang und Ende, Geburt und Tod.


Der kleine Prinz hat sich aus der Kraft seiner Gedanken selbst geboren, er ist der neue Mensch, er zieht sich ein Wams an, eine Kindheitsuniform und neckt seine Vulkane und seine wertlosen Stoppel bis ihm seine Erde ein drittes Auge gebiert, ein Auge des Glücks, das er sogleich neidvorbeugend in den Schienensträngen des Alltäglichen verbirgt, in seiner Seelenwüste tarnt, täte er es nicht, so würden ihn die Wachen und die Nichtträumer ans Kreuz seines Gedankenflugzeugs nageln, eine stinkende Zaratikarusleiche und Mephisto würde Schnusy/Schusch seine hölderlinnahen Sonnenuntergänge im Turm verhöhnen, denn überall wo die Januarstürme seine beinahe schon erfrorene Rose auf dem Boden der Meere oder der Luft oder der Feuer in der Wüste zwängen, schrie das, was entstände, ich bin nicht der neue Mensch, ich bin noch nicht einmal der Alte, wie kann ich da Anfang und Ende sein…auf dem Gleiswerk meiner geträumten Gedanken bricht eine Knospe hervor, die sich sogleich verbirgt und an anderer Stelle einen Weg bahnt, einen sehenden Weg, einen Weg jenseits der Öffentlichkeit unter dem Deckmantel des Passepartouts hinaus aus der Begrenztheit eines einzelnen Bildes.

Der Mann hat nicht nur Brüste und ein Flugzeug gezeichnet und das Kreuz, das jeder für sich zu tragen hat jenseits der Schmerzen, die es bedeutet, Emotion in dieser emotionslosen Welt auszuhalten, sondern sogar auszuleben, am Ende kommt man zwar etwas alleine auf die Welt, aber dann wird man meistens mindestens gewärmt und bemilcht, nur der kleine Prinz muss auf seinem Planeten aufgeschlagen sein wie eine Möwe nach einer Begegnung mit einer Turbine auf dem Rollfeld eines von einer totalen Übermacht zerstörten Rollfeldes.

Oder vielleicht haben ihn ja extraterrestrische Intelligenzen, der Übertragung in die Synapsengänge des Träumenden mächtig, , sozusagen in einen neuen Kosmos als neuer Mensch hineinmutiert, eine solche Installation ist in der Lage das PARCE MIHI DOMINE# der alltäglichen Folter und Isolationshaft zu überwinden, denn sie erfüllt im Gegenüber den Schmerz, einen Schmerz, den sich die  Bewohner des eitlen und selbstgefälligen Burgberges zur Trutzburg stilisieren, bevor ein Blitz die Rosenknospe im Schutz der großen Striche, das einzige formalisierte Leben, das ich lebe, zu Asche verglüht, mit noch nicht einmal einem Handstreich, ich sterbe, allein, ich lieg in der Wüste aus Salz und Sand, noch nicht einmal Spielball der Elemente, verborgen vom Gestrüpp der Striche und Bögen, ich hör deine Stimme, die nach dem Aschehaufen einer knospe schreit, ich bin in deinen Träumen und du bist in meinen Träumen und wir reisen im Sarg der Zuversicht – Optimismus ist Mangel an Information – bis ans Ende des bewässerten, beweinten Regenbogens über dem Goldglanz der Ähren, der fallen-, liegengelassenen Ähren, Sinnbild des Lebens mit flachsblondem Haar, ich spinne den Flachs mit dem Spinnrad meiner Gedanken zu Leinen, das Gelbe wird wies’s und zum Grund.


Und es wird mir zur Wüste, vor der ich einsam nun sitze und mir mit zwei Strichen, rot und grün, zwei Farben nur  und das die Trinität der drei drei Grundfarben aufgehellt im Weiß des Lichts, undenkbar ohne die Schatten und die Dunkelheit hinter den Sonnenuntergängen, alles fast unbemerkt, nebenbei entstanden, unbeschreibbar, unverstehbar, entstanden aus Wurzeln im Verborgenen, die Rose, die Blume, der schon das frühe Ende droht, vielleicht im Wissen um den Tod so dornig, weil die meistens den Glassturz des Schutzes vor den Anderen und die Gießkanne des Morgen ignorieren, und nur die Erde sehen, auf der sie gerade stehen, das Wasser, das sie trinken, die Luft, die sie atmen und ihr Feuer, mit dem sie gerade die Knospen der Anderen zu Asche verbrennen.

Es war einmal ein Mann, der malte mit Kerzen auf seinem Hut und den Pigmenten der Angst gegen das Wissen vom Tod. Es war einmal ein Mann,, der stahl Leichen gegen das Unwissen vom Körper, es war einmal ein Mann, der redete davon, dass ein Künstler kein Paktierer mit dem Teufel sei, den es nicht gibt, kalt, egozentrisch und werkbezogen, er redete davon, dass jeder Mensch zu den Sternen zurück und Künstler sein könne, ein Träumer gewiss, aber die kalt berechnenden Rationalisten haben die Welt nie verändert, sondern höchstens verwaltet, dafür bedarf es eines Opfers, für Veränderung, um fliegen zu können müsste man nicht einmal in seiner Phantasie ein Flugzeug auf ein Stück Papier oder Pappe malen, man müsse nur des Nachts zu den Sternen hören, sich für einen Augenblick auf den Gleisen seiner Träume, auf die Nebel hinter den Schatten besinnen, über die Bedeutung der Unendlichkeit trotz der Winzigkeit einer einzigen umgefallenen Zahl, eines einzigen Sandkorns, eines einzigen Wassertropfens und in der Nacht – im Sturm oder ohne Sturm und die Magie des Unendlichen im Erotischen suchen, das man direkt danach wieder vergessen hat, denn wahre Liebe ist immer lebensgefährlich , sie endet im Tod, im scheinbaren Tod des danach, den der Mann mit den Kerzen auf dem Hut, es sähe aus als wärest du tot, besingt in seiner Scham gegenüber dem Leben und den Liebenden, seiner Angst vor dem Tod, denn ein Energiepunkt ist ein schlafender Drache und, ein Traumgesicht, nur eine starrgekühlte Schlange in der sturmgepeitschten Winternacht.

Und wer sagt denn, dass der Mann in der Wüste, in der Nacht sind alle Bilder leer und schwarz, wer sagt denn, dass der Mann in der Wüste nicht auch der neue Mensch ist, jeden Tag neu und jeden Tag anders, und als neuer Mensch ist er der Prinz, der kleine Prinz, den man im besten Falle für einen Träumer hält, wohl eher für einen Spinner, Verrückten, und das alles kostet, der soll doch erst mal seine Schulden bezahlen, der soll sich erst mal die Haare schneiden und rasieren, das schreien die Planetenmengen, Füchse, Schnellzüge, die Laternenanzünder, Geographen, Geschäftsleute, Könige, Eitlen und Pillenverkäufer in der Wüste, Säufer, Rosen…nur die Schlange und die Kinder schreien es nicht, sie sind der Prinz und der Mann, die wie Pippi Langstrumpf die Welt wie sie ist (la petite princesse ist im Französischen die Übersetzung von Pippi Langstrumpf) nicht akzeptieren können, auch wenn sie dafür mit dem Leben bezahlen, [wären Schlüsse gefragt, dann wäre der kleine Prinz also ein Revolutionär] ohne zu wissen, ob der Tod nicht das Ende ist. Und die Rose schreit nicht, alle Rosen schon, sie, die Rose, ist schon tot, vertrocknet ohne Wasser, erfroren in der Kälte der Nacht, vielleicht war ihr die Liebe abhanden gekommen, während sich der Prinz in der Vulkanwüste aufgemacht hat ins Gleissystem und ins Gleisbett der Träume, die so schwarz aussehen als wären sie der Tod…oder um einen anderen Träumer zu zitieren: der Mann der vom Kreuz springt, seinem Instrument der Folter, das andere unter Drogeneinfluss ausprobieren als wär’s ein Formspiel und kein tödlicher Ernst, der Mann wird zum Gespenst, also nagelt den Prinzen ganz schnell wieder ganz fest ans Kreuz, sonst umunordnet er noch alles, Chaos und Kontrollverlust, das schreien alle die wissen, dass Mephisto und der kleine Prinz die abgekauten Seiten einer Medaille sind. Sie wissen auch alle wie man mit dem unsichtbaren Herzen gut sieht. Liebe und Leben, auch zwei Seiten, man kann heute besser existieren ohne zu lieben, aber man kann nicht lieben ohne zu leben und wenn es das Leben kostet wie für Merlin und Viviane. C’est la vie Sellerie [es ist natürlich eine Verbeugung vor dem großen Künstler Herbert Achternbusch] Aber Sellerie wächst nicht auf Bäumen und auch nicht in der Wüste, egal wo sie wüstet und wütet….

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